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Apr 18, 2011

Führung für Mündige

„Wer nicht denken will, fliegt raus”, hat Joseph Beuys einmal geschrieben. Der berühmte Aktionskünstler und Kunsttheoretiker, auf dessen erweiterten Kunstbegriff dm-Gründer Götz W. Werner sein Verständnis von künstlerischer Unternehmensführung stützt, meinte damit: Man fliege raus aus dem Zusammenhang, weil man die Welt nicht mehr verstehe.

Führung für Mündige Mitarbeiter dm

Mit Hilfe der "Wertbildungsrechnung" können Marktleiter ausgewogene Entscheidungen treffen.


Den Überblick behalten

Wer morgens um halb acht seinen dm-Markt aufschließt, will wissen, was zwischen den eigenen vier Wänden läuft. Ob der Zuspruch der Kunden da ist, ob man eine neue Kollegin oder einen Kollegen braucht, ob man Schulden macht oder Ertrag. Deshalb erhält jede Arbeitsgemeinschaft, jeder dm-Markt, seit 1993 monatlich eine so genannte Wertbildungsrechnung aus der dm-Zentrale. Alle wissenswerten Zahlen zum Markt sind darin leicht verständlich zusammengestellt.

Transparenz auf allen Ebenen

Als eines der ersten Unternehmen gewährte dm nicht nur ausgewählten Managern Zugang zu Zahlen und Fakten, sondern setzte auf vollständige und größtmögliche Transparenz. Denn eigenverantwortliches Handeln und unternehmerisches Denken möglichst vieler Menschen ist nur realisierbar, wenn sowohl die Rahmenbedingungen als auch die Ergebnisse des eigenen Schaffens bekannt sind. Beides spiegelt sich in der Wertbildungsrechnung wider. „Die Wertbildungsrechnung kann nur mit einem Menschenbild funktionieren, das in einem Mitarbeiter ein gestaltungsfreudiges Initiativwesen und kein anreizgesteuertes Triebwesen sieht“, sagt der Vorsitzende der dm-Geschäftsführung Erich Harsch. „Dazu gehört auch, den einzelnen Mitarbeitern Entscheidungsspielräume zu geben.“

Die Wertbildungsrechnung ist mehr als eine bloße Ergebnisrechnung, sie zeigt Arbeitszusammenhänge und Wertschöpfungsprozesse auf. Aus diesem Grund sind darin Kosten und Leistungen aufgeführt. Kosten schmälern den Erfolg eines Marktes, Leistungen steigern ihn. Wenn bei dm nicht von „Personalkosten“ gesprochen wird, sondern von „Mitarbeitereinkommen“, dann liegt das daran, dass Mitarbeiter Leistungen erbringen und keine Kosten verursachen. Mit einer Wertbildungsrechung, die ein Abbild der realen Situation eines dm-Marktes für beispielsweise einen Monat ist, können die Mitarbeiter ihre eigene Leistung nicht nur erkennen, sondern sie können ihren Markt auch ganz gezielt steuern. So werden sie zu Mitunternehmern, die ihre Arbeitszusammenhänge gemeinsam selbst gestalten können.


Die Struktur der Wertbildungsrechnung

Der Deckungsbeitrag errechnet sich aus dem Umsatz abzüglich Wareneinsatz und Inventurverlust. Er wird in der Wertbildungsrechnung anschließend in Fremdleistungen, Vorleistungen und Eigenleistungen aufgeteilt:

  • Unter Fremdleistungen fallen alle extern eingekauften Leistungen.
  • Vorleistungen umfassen Leistungen, die von anderen Abteilungen im Unternehmen in Anspruch genommen wurden, zum Beispiel vom Controlling oder der IT.
  • Die Eigenleistung ist das Maß für die Wirtschaftlichkeit des dm-Marktes. Sie ergibt sich aus dem Deckungsbeitrag abzüglich Fremd- und Vorleistungen.